„Kompetenzen von morgen“ – der Titel weckt Bilder von Fähigkeiten, die wir erst noch erwerben müssen. Tatsächlich aber ist die entscheidende Fähigkeit längst gefragt: der souveräne Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Es geht dabei weniger um Werkzeugwissen als um Urteilsvermögen. Darum, maschinell erzeugte Inhalte zu hinterfragen und für ihre Qualität geradezustehen, denn Verantwortung kann nicht an die KI delegiert werden. So bleibt es die Technische Redaktion, die Prozesse selbst dann steuert, wenn KI sie beschleunigt – und genau darin liegt das Thema, dem sich die neue Ausgabe der technischen kommunikation widmet.
Wie gewohnt gibt es unsere Kommentare zu Artikeln aus der Ausgabe 04/2026 und dazu einen Blick auf unsere eigenen Beiträge in der Zeitschrift. Vielleicht machen sie Ihnen ja Lust, selbst zum neuen Heft zu greifen? Dann wünschen wir Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Edgarn Hellfritsch
CEO
Arbeit neu denken
Prof. Dr.-Ing. Michael Schaffner, technische kommunikation 04/2026, S. 13-17
Michael Schaffner zeichnet ein differenziertes Bild: Redaktion wird durch generative KI eher ergänzt, Übersetzung stärker verschoben oder ersetzt. Aus unserer Projekterfahrung greift diese Trennung zu kurz. Entscheidend ist nicht das Berufsfeld, sondern der Strukturierungsgrad der Inhalte: Ohne konsequente Topic-Orientierung, saubere Metadaten und ein Redaktionssystem, das Terminologie und Varianten kontrolliert, bleibt KI-Unterstützung in beiden Bereichen Stückwerk.
Auch beim Deskilling-Risiko würde ich den Fokus verschieben. Nicht KI selbst lässt Prüf- und Strukturierungskompetenz verkümmern, sondern das Fehlen klarer Governance: definierter Qualitätskriterien, verbindlicher Review-Routinen und eindeutiger Verantwortlichkeiten für Freigaben. Genau das erleben wir in Kundenprojekten immer wieder als Weichenstellung – Teams mit etablierten Redaktionsprozessen nutzen KI produktiv, ohne an Substanz zu verlieren; Teams ohne diese Leitplanken laufen tatsächlich Gefahr, Verantwortung stillschweigend an die Maschine abzugeben.

Markus Nickl
CEO
Der Einstieg in KI-Bildgeneratoren
Dr. Tilo Gockel, technische kommunikation 04/2026, S. 30-35
Texte mit KI zu erzeugen, ist mittlerweile weitverbreitet. Bei Bildern haben aber viele Nutzer:innen noch Hemmungen. Schon allein deshalb ist der Artikel von Tilo Gockel hochwillkommen. Mit tiefem technischem Verständnis zeigt er, wie KI-Bildgeneratoren funktionieren und wie sich welche Bildgeneratoren einsetzen lassen. Ein ausführliches Glossar wesentlicher Fachbegriffe rundet den Beitrag ab – auch das ist ein nützlicher Überblick für Einsteiger in die Thematik.
Ein wenig problematisch fand ich allerdings den Anfang des Artikels, der erst einmal recht theoretisch daherkommt. Interessierte Leser:innen sollten sich davon aber nicht abschrecken lassen, im zweiten Teil wird der Beitrag sehr viel praxisnäher. Dranbleiben lohnt sich also. Ich persönlich bin schon gespannt auf den vom Autor angekündigten zweiten Teil in Ausgabe 5.

Johannes Dreikorn
Senior Consultant / Customer Success
Risikomanagement aktiv mitgestalten
Marco Hattemer, technische kommunikation 04/2026, S. 33-36
„Ask not what your country can do for you“ – Marco Hattemer nutzt das Kennedy-Zitat geschickt als Scharnier für eine Frage, die sich jede Technische Redaktion stellen sollte: Was können wir zum Risikomanagement beitragen, statt nur zu warten, bis ein Ergebnis bei uns ankommt? Die Antwort fällt überzeugend aus: eine Menge. Denn Technische Redakteur:innen sind Kommunikationsprofis, Produktkenner und Zielgruppenexpertinnen in einem – genau das, was eine gute Risikobeurteilung braucht.
Was dabei oft übersehen wird: Der Gewinn ist wechselseitig. Die Redaktion profitiert durch mehr Sichtbarkeit, tieferes Produktwissen und einen „Platz am Tisch“, der ihr in vielen Unternehmen noch immer verwehrt wird. In unserer Prozessberatung begegnet uns dieses Thema regelmäßig: Die Redaktion ist keine Dokumentationsabteilung, die erst ins Spiel kommt, wenn alle inhaltlichen Entscheidungen gefallen sind, sondern eine Engineering-Truppe, die früh eingebunden werden muss. Das ist auch eine Frage der Compliance: Eine Risikobeurteilung, die normkonform sein soll, muss präzise, vollständig und nachvollziehbar dokumentiert sein – und das ist keine ingenieurtechnische, sondern eine kommunikative Leistung.
In unseren Projekten erleben wir, wie schwer dieser Schritt fällt: nicht weil der Wille fehlt, sondern weil die Strukturen dafür schlicht nicht vorhanden sind. Rollenmodelle, die die Technische Redaktion als echten Stakeholder im Risikomanagement verankern, sind die Ausnahme, nicht die Regel. Genau diese Arbeit kennen wir bei doctima gut: Wir begleiten Redaktionen dabei, ihren Platz im Unternehmen neu zu definieren – und die Prozesse aufzubauen, die Compliance nicht nur versprechen, sondern auch belegen.
Artikel aus dem Hause doctima
Prompte Antwort
Markus Nickl, technische kommunikation 04/2026, S. 21-22
Prompt Engineering galt lange als Schlüsselkompetenz im Umgang mit KI – doch wie relevant ist es noch, da das Thema merklich ruhiger geworden ist?
Dass das Thema an Lautstärke verloren hat, erklärt Nickl mit zwei Faktoren: Sprachmodelle sind deutlich leistungsfähiger geworden, und Prompting verschwindet zunehmend in Skills und Agenten – als einmalig hinterlegte Systemanweisungen, die das Verhalten der KI dauerhaft prägen.
Dennoch bleibt Prompting-Kompetenz auch 2026 unverzichtbar – für spontane Anfragen, nicht wiederkehrende Aufgaben und die Entwicklung von Agenten-Prompts. Es ist kein Allheilmittel mehr, aber weiterhin die Basis für brauchbare KI-Ergebnisse.
Haben Sie die neueste Ausgabe der tekom-Zeitschrift schon gelesen? Wir freuen uns auf den Meinungsaustausch mit Ihnen!
Coverfoto Zeitschrift: © tcworld GmbH




