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Digitale Souveränität ist ein Schlagwort, das seit einiger Zeit heiß diskutiert wird. Oft sind damit Social-Media- oder auch Shopping-Plattformen gemeint. Doch wie sieht es eigentlich in der Technischen Redaktion aus?
Schon ein kurzer Überblick zeigt: Viele Softwarepakete, die in der Technischen Redaktion genutzt werden, sind potenziell betroffen. Beispielsweise Cloud-Storage, KI-Systeme und Collaboration-Tools sind unter dem Blickwinkel der digitalen Souveränität durchaus kritisch zu sehen.
Welche Risiken bestehen?
Digitale Souveränität steht als Forderung schon seit Längerem im Raum. Denn die (fehlende) Verfügbarkeit und Skalierbarkeit von einheimischen Software-Lösungen ist für die EU-Wirtschaft ein Wettbewerbsfaktor, der zunehmend zu einem Standortnachteil für europäische Unternehmen wird.
Spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden (2013) wird die Verletzlichkeit der europäischen Wirtschaft durch außereuropäische Software-Systeme diskutiert. Allerdings hat sich in Sachen digitale Souveränität seitdem wenig getan. Tatsächlich scheint sich die Abhängigkeit von außereuropäischen Plattformen (z. B. X, TikTok, Shein, Facebook) und Software-Systemen (z. B. KI-Sprachmodelle) eher zu verstärken als zu lösen. Seit Beginn des letzten Jahres scheint sich aber zumindest das gesamtgesellschaftliche Bewusstsein zu ändern und die Notwendigkeit zu mehr digitaler Souveränität in den Köpfen der Entscheider anzukommen. Initiativen wie z. B. der Digital Independence Day oder EuroStack erhalten breite öffentliche Aufmerksamkeit.
Das erstarkte Interesse an digitaler Souveränität hat selbstverständlich auch mit der derzeitigen US-amerikanischen Regierung zu tun. Diverse Anzeichen deuten darauf hin, dass digitale Systeme als Druckmittel gegenüber Wettbewerbern und Handelspartnern eingesetzt werden könnten, wie z. B. bei der Sperrung der Microsoft-Konten des Chefanklägers des Internationalen Strafgerichtshofs, Karim Khan. Viele Software-Experten befürchten deshalb, dass im Zweifelsfall, z. B. bei einem ausbrechenden Handelskrieg zwischen den USA und der EU, europäische Unternehmen den Zugriff auf kritische Infrastruktur verlieren könnten und Unternehmensprozesse dadurch schwerwiegend gestört werden.
Wie relevant sind die Risiken?
Es sind also im Kern zwei Faktoren, die europäische Unternehmen zu mehr digitaler Souveränität nötigen: Ausfallrisiken und die Ausspähung von Unternehmensgeheimnissen. Beide Faktoren lassen sich leider nicht objektiv und abschließend einschätzen. Straftaten wie Industriespionage werden nur selten öffentlich und die Bereitschaft einer Regierung, massive Interventionen umzusetzen, lässt sich nur schwer kalkulieren.
Es gibt allerdings Anzeichen, die die Eintrittswahrscheinlichkeit der beiden Risiken deutlich erhöhen. Zum einen haben wir in der jetzigen US-Regierung bereits eine deutliche Bereitschaft gesehen, Zwangsmaßnahmen anzuwenden, die in früheren Administrationen undenkbar gewesen wären. Zum anderen verfolgt die derzeitige Administration einen wirtschaftspolitischen Kurs der Reindustrialisierung der USA. Gleichzeitig nimmt sie immer stärkeren direkten Einfluss auf Software-Plattformen. Hinzu kommt ein scharf ausgetragener systemischer Wettbewerb zwischen den USA und China. Das alles findet schließlich im Zeichen einer US-Sicherheitsstrategie statt, die in weiten Strecken die EU als Gegner wahrzunehmen scheint.
Was ist zu tun?
Angesichts der Tatsache, dass Industriespionage auf US-Plattformen schon seit Langem bekannt ist, ist also das Risiko insbesondere für mittelständische europäische Unternehmen durchaus konkret. Das wirtschaftliche und politische Umfeld erhöht darüber hinaus die Risiken für Wirtschaftsspionage und ökonomische Zwangsmaßnahmen in einem beträchtlichen Maß. Daraus entstehende Schäden sind für europäische Unternehmen mittlerweile nicht nur ein abstraktes Szenario, sondern ein Faktor, der in einer verantwortungsvollen Unternehmensführung einkalkuliert werden muss.
Digitale Souveränität wiederum ist eine sinnvolle Antwort auf diese Bedrohungslage. Dies ist eine strategische Ausrichtung, die nicht nur auf Unternehmensebene greift, sondern auch für Technische Redaktionen relevant ist. In einem weiteren Beitrag werden wir uns ansehen, welche Risiken bestehen, welche Systeme und Prozesse betroffen sind und wie ein Pfad zu mehr digitaler Souveränität aussehen kann.



