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Wohin entwickelt sich die Technische Redaktion im Unternehmen angesichts von KI und intelligenten Maschinen? In der neuen Ausgabe der technischen kommunikation ist die Sicht auf die Entwicklung klar: Profilierung statt Kontrollverlust, denn Maschinen können unterstützen, beschleunigen, inspirieren, aber der Mensch liefert Struktur, Urteilskraft und Verantwortung.
Wie gewohnt gibt es unsere Kommentare zu Artikeln aus der Ausgabe 02/2026 und dazu einen Blick auf unsere eigenen Beiträge in der Zeitschrift. Vielleicht machen sie Ihnen ja Lust, selbst zum neuen Heft zu greifen? Dann wünschen wir Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Johannes Dreikorn
Senior Consultant / COO
Mit den Richtigen reden
Roland Schmeling, technische kommunikation 02/2026, S. 15-19
Stakeholder, Mandate, Assets, Ressourcen: Die ersten Zeilen von Roland Schmelings Artikel zeigen schon, dass die insgesamt fünf Seiten keine ganz leichte Kost sind. Aber Durchhalten und Durcharbeiten lohnt sich. Denn es ist tatsächlich so, dass wir als Technische Redaktionen unsere Interessen sehr viel besser managen und durchsetzen können, wenn wir die Stakeholder für unsere Themen im Unternehmen kennen. Auf wen muss ich zugehen – welche Aufgaben und Interessen hat diese Person – wie kann ich eine Verbindung schaffen und eine konstruktive Allianz schmieden?
Was Ihnen das als Technische Redaktion konkret bringt? Das habe ich in meinem jüngsten Blogpost durchgespielt, und zwar anhand des Themas Standardisierung. Präsentiert als Fachthema, lässt sich Standardisierung im Unternehmen nur sehr schwer vermarkten. Wenn wir aber die Lösungen fokussieren, die wir mithilfe von Standardisierung schaffen, dann treffen wir den Nerv unserer Stakeholder und Budgetgeber. Entlastung der Service-Unit, Content-Providing für den Digitalen Produktpass oder KI-Chatbots – das will jeder haben.

Madeleine Reiter
Technical Writer & Consultant
Mehr Output – weniger Mensch?
Mathias Maul, technische kommunikation 02/2026, S. 20-21
Der Beitrag von Mathias Maul trifft einen Nerv: Die KI ist überall– und genau deshalb stellt sich die Frage umso dringender, wo der Mensch bleibt. Gerade in der Technischen Kommunikation erleben wir, dass generative Modelle zwar viel Output erzeugen können, aber längst nicht so verlässlich sind, wie wir es uns wünschen würden. Verantwortung, Haftung und letztlich auch die Qualität der Inhalte bleiben bei den Fachleuten; jeder zusätzliche KI-Text bedeutet deshalb zunächst mehr Material, das geprüft, bewertet und in einen fachlich und normgerecht konsistenten Kontext eingeordnet werden muss.
Hinzu kommt der Aspekt, dass nicht jede Routinearbeit automatisch „schlecht“ oder „wegautomatisierbar“ ist. Gelegentlich kann es schon mal angenehm sein, ein paar „Clicky-clicky“-Aufgaben zu erledigen (wie sie ein Kollege so schön genannt hat) – simple Tätigkeiten, die einen Gegenpol zu konzeptionell und emotional anspruchsvollen Aufgaben bilden. Hier wird sich zeigen, wie Unternehmen KI so einsetzen, dass sie monotone Belastung reduziert, ohne den Menschen in einen dauerhaften Zustand maximaler kognitiver Anspannung zu versetzen.
Know-how-Aufbau rund um KI könnte man ebenfalls stärker als kulturelles Projekt denken. Nicht jedes Teammitglied muss Prompt-Engineer werden, aber alle brauchen ein Grundverständnis über Funktionsweise, Stärken und Grenzen von KI-Tools. In Redaktionen wären z.B. Rollenprofile denkbar, die zwar alle abholen, das KI-Know-how und die Verantwortung aber sinnvoll auf das Team verteilen und so die Selbstwirksamkeit und Akzeptanz im Team erhalten.

Markus Nickl
CEO
Die richtige Dosis Terminologie
Jasmin Nesbigail, technische kommunikation 02/2026, S. 24-29
Zurzeit gilt bei KI RAG (retrieval augmented generation also die Unterstützung der LLMs durch ergänzende Daten, z. B. Glossare, Taxonomien, Ontologien) als Mittel der Wahl, insbesondere für die Technische Dokumentation. Denn gerade in unserer Branche wird die Stärke der KI (möglichst „menschlich“ zu kommunizieren) zu einer Schwäche. Sind doch bei Technischer Dokumentation Eindeutigkeit und insbesondere möglichst wenig sprachliche Variation gefordert.
In ihrem Artikel untersucht Jasmin Nesbigail, wie sich die Unterstützung der KI durch Terminologie und Glossare auf die maschinelle Übersetzung mit KI auswirkt. Dabei kommt sie zu einem überraschenden Ergebnis: RAG mit einem beigefügten Glossar führt nicht in allen Fällen zu einer Verbesserung: „In 15 % der Segmente führte die Glossarintegration […] zu Fehlern […]. Lediglich 29 % der Ersetzungen funktionierten wie gewünscht bzw. erwartet.“ Sie rät deshalb dazu, nicht beliebige Glossare in den Übersetzungsprozess einzubringen, sondern Glossare speziell auf die Bedürfnisse der maschinellen Übersetzung und der KI zuzuschneiden.
Jasmin Nesbigail spricht mit ihrem Beitrag einen wichtigen Punkt an: Auch wenn sich durch Kontextinformationen die Präzision einer KI steigern lässt, sollte das nicht unhinterfragt geschehen. Man sollte sich vielmehr auch auf negative Nebeneffekte gefasst machen.
Artikel aus dem Hause doctima
Ein schwieriger Fall
Markus Nickl, technische kommunikation 02/2026, S. 22-23
Der Genitiv ist ein grammatikalischer Dauerbrenner. Kaum ein anderer Fall polarisiert so sehr – die einen beklagen sein Aussterben, die anderen finden ihn übertrieben häufig. Und erstaunlicherweise haben beide Seiten recht.
Der Genitiv taucht in drei Rollen auf: als Objektkasus (heute selten und klingt schnell angestaubt), in Präpositionalfügungen (formell, aber noch gebräuchlich) und als Attributskasus – hier ist er in der Schriftsprache quicklebendig. Kritisch wird’s erst, wenn Genitivattribute sich aneinanderketten wie Waggons eines Güterzugs.
Das Fazit: Der Genitiv ist kein Auslaufmodell, aber ein Stilindikator. Er signalisiert Bildung und Formalität – was in der Technischen Redaktion manchmal passt, manchmal aber auch ein Warnsignal ist.
Haben Sie die neueste Ausgabe der tekom-Zeitschrift schon gelesen? Wir freuen uns auf den Meinungsaustausch mit Ihnen!
Coverfoto Zeitschrift: © tcworld GmbH


