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Montagmorgen, Stand-up mit dem Entwicklungsteam. Irgendwann fällt der Satz: „Könnt ihr das kurz in ST4 dokumentieren?“ Was folgt, kennen viele Technische Redakteur:innen nur zu gut: eine E-Mail mit ein paar Stichpunkten, Copy-Paste zwischen den Systemen, Rückfragen, weil Informationen fehlen. Und irgendwo auf dem Weg geht die Hälfte verloren. Das muss nicht so sein.
In unserem letzten Webinar haben wir uns genau damit beschäftigt: Wie lassen sich SCHEMA ST4 und die Atlassian-Tools Jira und Confluence sinnvoll verbinden? Und was braucht es, damit das in der Praxis wirklich funktioniert? Wer sich zunächst einen Überblick über die ST4-Jira-Integration verschaffen möchte, findet in unserem Blogartikel „SCHEMA ST4 und JIRA: Mehr Effizienz und Prozesssicherheit im Redaktionsalltag“ eine gute Grundlage. Hier gehen wir einen Schritt weiter.
CCMS oder Wiki – eine falsch gestellte Frage
Jira und Confluence sind in der Softwareentwicklung fest etabliert – Jira mit einem Marktanteil von 84 % als Ticket-System für die Prozesssteuerung, Confluence als kollaboratives Wiki für das Projektwissen. Kein Wunder also, dass Entwicklungsteams fragen, warum die Technische Redaktion nicht einfach dort mitschreibt.
Die ehrliche Antwort: Confluence kann vieles, aber eben nicht alles. Ein CCMS wie SCHEMA ST4 bietet Vorteile, die ein Wiki strukturell nicht abbilden kann – und zwar in vier Bereichen:
Effizienz
- Konsequente Wiederverwendung von Inhalten
- Ausgefeiltes Variantenmanagement – gerade bei Software mit mehreren Versionen unverzichtbar
- Mehrsprachigkeit als Kernfunktion, nicht als Plug-in-Lösung
Flexibilität
- Strikte Trennung von Inhalt und Layout ermöglicht medienneutrale Publikation in PDF, HTML, DITA und weiteren Formaten
Präzision
- Semantisches XML mit klarer Struktur für Handlungsanweisungen, Warnhinweise und mehr
- Klassifizierung und Metadaten für systematische, steuerbare Ausgaben
Prozesssicherheit
- Freigabe-Workflows und lückenlose Versionierung
- Professionelles Übersetzungsmanagement
- Automatisierung von Abläufen, Datenflüssen und Qualitätssicherung
Die Frage ist also nicht: ST4 oder Confluence? Sondern: Wie bringen wir beide Systeme so zum Zusammenspiel, dass jedes seine Stärken ausspielen kann?
Was eine echte Integration leisten kann
Die gute Nachricht: Die technischen Voraussetzungen sind auf beiden Seiten vorhanden. SCHEMA ST4 bietet mit der Automation Library REST-Schnittstellen, HTTP-Anbindungen und den Online-Media-Designer (OMD), um Inhalte in verschiedenen Formaten zu erzeugen und auszutauschen. Confluence stellt eine REST-API bereit, über die sich Seiten lesen, schreiben und aktualisieren lassen.
In der Praxis ergeben sich daraus drei typische Anwendungsfälle:
- Prozesssteuerung: Statusinformationen und Daten aus einem Jira-Ticket lösen automatisch eine redaktionelle Aufgabe in ST4 aus – und wenn die Redaktion fertig ist, geht eine Rückmeldung ans Ticket zurück. Das funktioniert sowohl in Richtung Entwicklung als auch in Richtung Service.
- Datenaustausch: Rohfassungen aus Confluence – etwa von Entwickler:innen erstellte Texte – lassen sich direkt in ST4 ziehen, dort redaktionell überarbeiten und übersetzen. Anschließend stellt ST4 die aufbereiteten Inhalte wieder in Confluence bereit, sodass Entwickler:innen in ihrem gewohnten Tool arbeiten können.
- Integration mit API-Dokumentation: ST4 liefert Markdown-Inhalte, die gemeinsam mit Tutorials oder API-Dokumentation aus der Softwareentwicklung zu einer integrierten Dokumentation zusammengeführt werden – zum Beispiel über DocuSaurus, versioniert über Git.
Was man dabei nicht unterschätzen sollte
So elegant das klingt – eine funktionierende Integration braucht mehr als nur offene Schnittstellen. Wer das unterschätzt, erlebt schnell, warum viele Projekte auf halbem Weg stecken bleiben.
- ID-Management: Damit Objekte auf beiden Seiten zuverlässig einander zugeordnet werden können, braucht es ein durchdachtes Konzept. Welche Granularität ist sinnvoll? Wie werden Seiten, Knoten und Grafiken eindeutig identifiziert – egal, welche Seite den Datenaustausch auslöst?
- Mapping von Inhalten: ST4-XML und Confluence-XHTML sehen unterschiedlich aus. Ein Warnhinweis in ST4 hat eine klare Semantik mit Ursache, Konsequenz und Maßnahme – in Confluence gibt es dafür ein Makro, das aber auf andere Art strukturiert ist. Hinzu kommen Jira- und Confluence-Felder, die auf ST4-Datenklassen abgebildet werden müssen. Man muss sich einigen, welche Elemente übernommen, welche angepasst und welche ausgeblendet werden.
- Prozesslogistik: Wenn ein Inhalt gerade in ST4 bearbeitet wird, sollte er in Confluence gesperrt sein – und umgekehrt. Gleichzeitiges Bearbeiten auf beiden Seiten führt unweigerlich zu Konflikten. Auch Versionierung muss von Anfang an mitgedacht werden.
- Und vor allem: Abstimmung. Digitalisierung beginnt damit, dass Menschen miteinander reden. Die schönste Schnittstelle nützt nichts, wenn Entwicklung und Technische Redaktion keine
Fazit: Die Technische Redaktion als Content Hub
Was auf den ersten Blick wie ein technisches Integrationsprojekt aussieht, ist in Wirklichkeit eine strategische Chance. Wer SCHEMA ST4 nicht als Datensilo betreibt, sondern als zentrale Schaltstelle für den Content im Unternehmen, verändert die Wahrnehmung der Technischen Redaktion grundlegend.
Gerade mit Blick auf Themen wie den Digitalen Produktpass oder Digital-Twin-Lösungen wird deutlich: Die strukturierten Informationen und das Know-how, Daten sauber aufzubereiten und bereitzustellen, sind oft in der Technischen Redaktion zu Hause. Das ist ein Pfund, mit dem man wuchern kann – und ein gutes Argument gegenüber Entwicklungsteams, die Confluence als Allzwecklösung sehen.
Das 21. Jahrhundert ist zu einem Viertel vorbei. Die Konzepte sind da, die Schnittstellen sind da. Gehen Sie auf die Entwickler:innen zu und überlegen Sie gemeinsam, welche Anbindung in Ihrem Unternehmen den schnellsten spürbaren Unterschied macht. Die Nebenwirkung: mehr Sichtbarkeit und eine stärkere Positionierung der Technischen Redaktion als kooperationsbereiter Integrator im Unternehmen.



