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Ab Juli 2026 wird der Digitale Produktpass (DPP) Pflicht. Viele Experten sehen darin einen wesentlichen Faktor für die Digitalisierung der Wirtschaft und damit ein Kernelement in der industriellen Digitalisierungsstrategie. Mit der schrittweisen Einführung ab Juli beginnt auch der regulatorische Druck zu wachsen.
Doch wie sieht die Situation in den Unternehmen und dort in den Technischen Redaktionen aus? Was sollten Technische Redaktionen zum jetzigen Zeitpunkt tun und wie sollten sie sich zum Digitalen Produktpass positionieren? Wir wollen in diesem Blogpost einen Blick auf dieses spannende Thema wagen. Soviel vorweg: Viele Unternehmen haben noch keine Strategie – aber in ihrer Technischen Redaktion liegen die Daten längst bereit.
Digitaler Produktpass und Technische Redaktion
Das Thema Digitaler Produktpass ist in vielen Redaktionen angekommen, der Handlungsdruck steigt. Wir haben die wesentlichen Punkte dazu bereits in den letzten beiden Jahren in unseren Blogartikeln „Digitaler Produktpass – Was ist das und wie sollten sich Technische Redaktionen darauf vorbereiten?“ und „Der EU-Batteriepass als Blaupause für den digitalen Produktpass“ zusammengefasst.
Die gute Nachricht: Technische Redaktionen sind überwiegend bereits gut vorbereitet, um die Anforderungen zu erfüllen, auch wenn im Detail sicher noch die eine oder andere Aufgabe zu erledigen bleibt. Doch wie sollten Redaktionen nun vorgehen?
Vielleicht sind Sie in Ihrer Redaktion bereits gut aufgestellt – und das ist eine echte Stärke. Aber gut aufgestellt zu sein, reicht nicht, wenn Ihr Unternehmen Sie beim Thema Digitaler Produktpass noch nicht als relevanten Stakeholder auf dem Schirm hat. Genau hier sollten Sie jetzt aktiv werden. Der erste Schritt für jede Technische Redaktion sollte also sein, sich über den Stand der Umsetzung zum Digitalen Produktpass zu informieren. Von da ausgehend gibt es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten:
- Es gibt bereits eine Projektgruppe, die den Digitalen Produktpass vorantreibt. Allerdings ist die Technische Redaktion nicht in der Gruppe vertreten.
- Der Digitale Produktpass wird bisher noch auf die lange Bank geschoben. Die Notwendigkeit, etwas zu tun, ist zwar abstrakt erkannt, aber bisher fehlt die Dringlichkeit oder auch eine klare Vorstellung davon, wie man vorgehen könnte.
DPP im bestehenden Team
In einigen Unternehmen gibt es bereits eine Arbeitsgruppe, z. B. in der Konstruktion, die sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Dann sollten Sie als Technische Redaktion Kontakt mit dieser Gruppe aufnehmen und sich zum Stand der Umsetzung informieren. Sie sollten sich außerdem erkundigen, wie die Inhalte der Dokumentation in den Digitalen Produktpass integriert werden – vermutlich: „An der Stelle kann dann das PDF aus der Dokumentation eingehängt werden.“ Und Sie sollten fragen, an welchen Stellen gerade Schwierigkeiten bestehen.
Vermutlich werden Sie zu den Schwierigkeiten aus Ihrer eigenen Erfahrung einiges sagen können: In welchen Systemen sind die korrekten Maschinendaten abgelegt – oft nicht dort, wo man es zunächst erwarten würde. Wie lautet die korrekte Terminologie für die Bauteile? Und wie lassen sich die Informationen der Lieferanten in die eigenen Datenbestände integrieren?
Oft sind solche Alltagsprobleme aus der Technischen Redaktion genau die Themen, die das Projektteam für den Digitalen Produktpass aufhalten. Und falls solche Probleme nicht vom Projektteam genannt werden, dann lohnt es sich, in diese Richtung einmal genauer nachzufragen. Denn, dass sie nicht genannt werden, heißt nicht unbedingt, dass sie nicht da sind. Vielleicht sind sie bisher nur nicht bedacht worden. Ihr Ziel sollte also sein, für das Team einen Nutzen zu bringen. Sind Sie erst einmal Teil des Teams, dann können Sie im Rahmen des Digitalen Produktpasses gleichzeitig die eine oder andere Baustelle in der Redaktion mit aufräumen.
Für Führungskräfte in der Technischen Redaktion ist das auch eine strategische Gelegenheit: Wer jetzt den Kontakt sucht und den eigenen Wertbeitrag sichtbar macht, positioniert die Redaktion als unverzichtbaren Partner – und nicht nur als ausführende Stelle.
Es gibt kein Team für den DPP
In diesem Fall schlägt die Stunde der Technischen Redaktion. Die Technische Redaktion kann in diesem Projekt wie ein gut sortiertes Lager sein: Die Waren sind längst eingeräumt, geprüft und beschriftet – sie müssen nur noch an den richtigen Ort geliefert werden. Denn die Daten für den digitalen Produktpass sind in einer gut aufgestellten Redaktion bereits vorhanden und sachlich geprüft. Sie müssen nur noch in die Form eines Produktpasses gebracht werden.
Technische Redaktionen, die sich bereits mit digitalen Ausgabeformaten jenseits von Word und PDF beschäftigt haben, sind hier klar im Vorteil. Aber auch für Redaktionen, die sich neu mit interaktiven Ausgabewegen beschäftigen, ist diese Aufgabe durchaus bewältigbar.
In den allermeisten Fällen wird das Management gerne ein Budget bereitstellen, um die vorhandenen Daten (z. B. mit der Unterstützung durch einen Dienstleister) für einen Digitalen Produktpass aufzubereiten. Denn einfacher und effizienter als aus dem Datenbestand der Technischen Redaktionen lässt sich die regulatorische Anforderung Produktpass kaum erfüllen.
Und nun?
Was bleibt also als Fazit? Der Digitale Produktpass ist keine Bedrohung für die Technische Redaktion – er ist eine Chance. Wer jetzt den ersten Schritt macht, sich informiert und aktiv in bestehende Projektgruppen einbringt, kann die eigene Position im Unternehmen nachhaltig stärken. Die Daten sind da. Die Kompetenz ist da. Jetzt kommt es darauf an, beides sichtbar zu machen.
Wenn Sie tiefer in das Thema einsteigen möchten: Im Juli bieten wir ein Webinar an, das Ihnen zeigt, wie Sie sich als Technische Redaktion beim digitalen Produktpass optimal positionieren.
07.07.2026 | 16:30–18 Uhr | FreebieWebinar mit Edgar Hellfritsch


