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Wer ein Haus baut, muss viele Gewerke und Pläne im Blick haben. Wer seine Technische Dokumentation zukunftsfähig aufbauen will – smarte Inhalte und Digitalisierung sind hier die Schlagworte – der muss ähnlich verfahren. Ein Fundament aus XML, modulare Bausteine und Metadaten, die die Verbindung untereinander herstellen. Zeit also für neue Pläne, mit denen sich die 1. Auflage der technischen kommunikation im Jahr 2026 beschäftig.
Wie gewohnt gibt es unsere Kommentare zu Artikeln aus der Ausgabe 01/2026 und dazu einen Blick auf unsere eigenen Beiträge in der Zeitschrift. Vielleicht machen sie Ihnen ja Lust, selbst zum neuen Heft zu greifen? Dann wünschen wir Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Edgar Hellfritsch
CEO
Neuer Bauplan für Smart Content
Sebastian Göttel, technische kommunikation 01/2026, S. 11-13
Digitalisierung beginnt damit, dass Leute miteinander reden. Und das Thema, über das sie miteinander reden, sollten Metadaten sein. Ob Verwaltungsschale, Digitaler Produktpass oder KI-Bot: Um korrekte und umfassende Produktinformationen schnell und präzise zugänglich zu machen, genügt es nicht, PDF-Dokumente nach einem Large Language Model zu werfen.
„Seien wir realistisch. Strukturierter Content hat außerhalb der Technischen Dokumentation nie flächendeckend Fuß gefasst“, konstatiert der Autor. Für mich stellt sich die Frage, ob das so bleiben muss oder ob der offensichtliche Bedarf nach Struktur und Semantik, den ein digitaler Zwilling, ein DPP-Produktportal oder ein KI-Assistent beanspruchen, um überhaupt zu funktionieren, nicht dazu führen kann, dass sich – vielleicht maulend und jammernd, aber muss ja – die Erkenntnis durchsetzt, dass wir im digitalen Zeitalter nur bestehen können, wenn wir im ganzen Unternehmen eine gemeinsame Kommunikationsgrundlage für Daten und Abläufe schaffen – auf der Basis von Metadaten.

Johannes Dreikorn
Senior Consultant / COO
Der Weg zu modularer Architektur
Dr. Martin Ley, Sofia Darie, technische kommunikation 01/2026, S. 14-18
Der Topic-Ansatz ist das eine. Er gilt mittlerweile unbestritten als Währung der Zukunft in der Technischen Redaktion. Das spiegelt auch der Artikel von Martin Ley und Sofia Darie wider. Das Konzept als solches bereitet erfahrenen Technischen Redaktionen in der Regel keine allzu großen Verständnisschwierigkeiten.
Spannend wird es bei der konkreten Umsetzung. Das merken wir auch bei unseren Kunden. Zu der oft sehr elaborierten Recherche- und Schreibkompetenz muss sich etwas Neues gesellen: Die Fähigkeit, auf allen Ebenen klassifizierend und in Beziehungen zu denken. Topics, Taxonomien und Ontologien müssen zum neuen Handwerkszeug werden. Das ist manchmal echt herausfordernd, aber jede Mühe wert. Nicht nur strategisch und wirtschaftlich, sondern auch für den Spaß an der Arbeit und der Wirksamkeit, die man als Technische Redaktion entfaltet.

Madeleine Reiter
Technical Writer & Consultant
Norm reduziert Übersetzungsrisiken
Eva-Maria Tillmann, technische kommunikation 01/2026, S. 26-31
Die neue Norm DIN ISO 11669 ist aus meiner Sicht vor allem deshalb spannend, weil sie Übersetzungsqualität nicht als Eigenschaft des Dienstleisters, sondern als Ergebnis klar definierter Anforderungen zwischen Auftraggeber und Übersetzer versteht. Das ist ein wichtiger Perspektivwechsel: Qualität wird damit zum gemeinsam gestalteten Prozess.
Letzteres trifft nicht nur auf die Übersetzung zu, sondern auch auf die Technische Redaktion insgesamt. Im Redaktionsalltag wird häufig Qualität abstrakt eingefordert, ohne diese genauer zu spezifizieren. Die klassischen Aspekte greift man natürlich ab. Schwierig wird es, wenn Hintergrundarbeiten oder neue Anforderungen vorausgesetzt werden, aber nicht kommuniziert sind. Eine klar strukturierte Vereinbarung kann helfen, das Erwartungsmanagement auf beiden Seiten zu erleichtern.

Markus Nickl
CEO
Hybrid ist das neue Führungsprinzip
Michael Schaffner, technische kommunikation 01/2026, S. 32-37
In diesem Beitrag zeigt Michael Schaffner eine Fülle von Aspekten auf, die mit dem aktuellen Schlagwort „hybride Führung“ verbunden sind. Besonders anregend finde ich dabei seinen Ansatz, hybride Führung nicht auf das Thema Führung mit remote Teams einzuschränken. Er zeigt, wie vielmehr Digitalisierung insgesamt ein neues Führungsmodell nötig macht. Erst durch hybride Führung gelingt es dann modernen Unternehmen neben der Optimierung bestehender Geschäftsmodelle (Exploitation) auch die kreative Generierung neuer Geschäfts-Chancen (Exploration) zu erschließen.
Michael Schaffners Beitrag ist sicherlich nichts für Leser:innen, die sich ein paar schnelle Tipps für Mitarbeitende im Homeoffice erwarten. Er geht hier deutlich weiter in die Tiefe und setzt einiges Wissen um Management-Methoden voraus. Wer aber dieses Vorwissen mitbringt und sich auf die theoretischen Überlegungen einlässt, findet hier einen anregenden und kenntnisreichen Artikel, der umfangreiches Basiswissen für die eigene Arbeit als „hybride Führungsperson“ schafft.
Artikel aus dem Hause doctima
Kann das weg?
Markus Nickl, technische kommunikation 01/2026, S. 24-25
Hat die Linguistik in der Technischen Redaktion ausgedient? Manche meinen: ja. Dabei verkennen sie oft, was Linguistik überhaupt ist.
Markus Nickl räumt in seinem Artikel ein, dass Technische Redaktionen in Sachen Sprachqualität deutliche Fortschritte gemacht haben – Standards sind gesetzt, schlechte Anleitungen die Ausnahme. Kein Wunder also, dass manche den Eindruck gewinnen, die Arbeit sei getan. Doch dieser Schluss greift zu kurz.
Denn Linguistik ist nicht die Wissenschaft von Texten und Formulierungen – sie ist die Wissenschaft von Sprache. Und alle modernen Formate, ob KI, Video-Anleitungen oder Chatbots, sind im Kern sprachbasiert. Neue Fragen kommen hinzu: Wie formuliere ich zielführende Prompts? Wie ergänzen sich Text und Bild in einer Video-Anleitung? Wer Linguistik für überflüssig hält, zeigt vor allem, wie wenig er über sie weiß.
Haben Sie die neueste Ausgabe der tekom-Zeitschrift schon gelesen? Wir freuen uns auf den Meinungsaustausch mit Ihnen!
Coverfoto Zeitschrift: © tcworld GmbH


