Wenn wir unseren Bare-Bones-Ansatz für Terminologie vorstellen, werden wir immer wieder mal gefragt, wie es eigentlich dazu gekommen ist. Nun ist die Historie von Dingen zwar oft gar nicht so entscheidend. In diesem Fall lohnt sich aber vielleicht ein Blick auf den Anfang der Methode, weil dadurch ein paar Besonderheiten von Bare Bones Terminology besser verständlich werden.
Ausgangspunkt für Bare Bones Terminology waren Diskussionen zwischen Lena Krauß und mir. Wir sind beide Linguist:innen. Lena brennt für alles, was mit Übersetzungs- und Terminologiemanagement zu tun hat. Ich dagegen – obwohl das viele vielleicht nicht vermuten würden – habe Terminologie eigentlich immer als langweiliges Datengefrickel empfunden. Das hätte nun die Grundlage zu einem endlosen Battle geben können. Wenn man sich aber gut versteht, dann versucht man in so einer Diskussion auch immer den Standpunkt des bzw. der anderen zu verstehen. Und so fragte ich mich, warum ich eigentlich mit Terminologie so wenig anfangen kann. Und Lena hat sich gefragt, warum ihre Begeisterung sogar von sprachinteressierten Menschen nicht immer geteilt wird.
Mir wurde irgendwann klar, dass es eigentlich weniger die terminologische Arbeit ist, die mich gestört hat. Es war viel mehr der Eindruck, dass Terminologieprojekte ein Moloch sind, wo mit viel Aufwand Dinge bearbeitet werden, deren Sinn nur sehr indirekt nachvollziehbar ist. Grundsätzlich fand ich sprachliche Standardisierungsarbeit aber sinnvoll, ob nun übergreifend in der Technischen Dokumentation oder im Detail auf Wortebene.
Lena wiederum ist in der Terminologieszene gut vernetzt, und so startete sie eine Umfrage, wie zufrieden die Leute mit ihrer Terminologiearbeit sind. Das überraschende Ergebnis: Fast niemand war der Meinung, sie hätten einen funktionierenden Terminologieprozess. Viele beklagten sich, dass der Wert ihrer Terminologiearbeit im Unternehmen nicht geschätzt wurde. Oft wurde kritisiert, dass die aufwendigen Abstimmungszyklen zu keinem Ergebnis führten. So richtig zufrieden war niemand. Unzufriedenheit war also eher der Standard als die Ausnahme.
Aber woran lag das? Wir gingen der Sache auf den Grund und kamen zu folgendem Schluss: Terminologiearbeit ist in der Praxis oft zu theoretisch. In vielen Fällen versuchen Terminolog:innen einen mustergültigen Prozess abzubilden. Die Hoffnung dabei ist, dass sich sämtliche wahrgenommenen Probleme von allein lösen und irgendwann ein hoher Mehrwert zutage tritt.
Aber so richtig kommt dieser Erfolg nie zustande. Denn oft war die Problemdefinition zu Beginn – wenn sie denn überhaupt da war – sehr diffus: „Datenqualität steigern“, „einheitliche Sprache“ oder auch „Klarheit schaffen“. Auch wenn das alles in irgendeiner Weise sicher wünschenswert ist, ist das eigentlich kein Problem. Und: Diese mangelnde Problemfokussierung birgt die Gefahr, dass man das Ziel der Terminologiearbeit aus dem Blick verliert und zu viele Baustellen gleichzeitig bearbeitet – mit dem Effekt, dass keine Baustelle je abgeschlossen wird und sich immer nur noch mehr Löcher auftun.
Ein weiterer Grund für den ausbleibenden Erfolg ist die Art und Weise, wie herkömmliche Terminologieprojekte angegangen werden: nämlich nach dem klassischen Wasserfallmodell. Von Anfang bis Ende geplant, unternehmensweit ausgerollt, alle Beteiligten einbezogen, Meilensteine definiert und mit Laufzeiten von mehreren Jahren. Immerhin wird der komplette Wortschatz des Unternehmens einmal komplett umgekrempelt. Bei so einem komplexen Unterfangen ist die Gefahr groß, dass das Terminologieprojekt scheitert und eingestellt wird. Nicht selten hört Lena die Aussage: „Wir hatten vor ein paar Jahren schon mal angefangen, aber das wurde dann alles zu viel. Seitdem haben wir nichts mehr gemacht.“
Dieses Vorgehen funktionierte offensichtlich nicht für Terminologieprojekte in Unternehmen. Wir haben den Bogen gespannt zu agilen Methoden und dem Shift, den die Softwareentwicklung durchlaufen hat: weg vom Wasserfallmodell und hin zur agilen Entwicklung. Bei einer agilen Methode ist von Anfang an einkalkuliert, dass sich Anforderungen im Lauf der Umsetzung ändern. Oder dass neue Player hinzukommen und die Komplexität zunimmt. Dass man trotz allem das Ziel im Blick behält und schnell einen funktionsfähigen Stand erreicht. Genau das fehlte den Terminologieprojekten.
Als wir diese grundlegende Problematik für uns auf den Punkt gebracht hatten, waren wir motiviert, eine echte Alternative für Terminolog:innen zu konzipieren. Und das war dann auch der Startpunkt für Bare Bones Terminology.

