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Aufmerksamkeit für die Inhalte, Aufmerksamkeit für die Menschen – das Editorial dieser Ausgabe trifft einen Kern unserer Arbeit. Denn wer Zielgruppen verstehen will, muss hinschauen: auf Nutzungssituationen, auf Werte und auf das, was wirklich nützlich ist.
Wie gewohnt gibt es unsere Kommentare zu Artikeln aus der Ausgabe 06/2025 und dazu einen Blick auf unsere eigenen Beiträge in der Zeitschrift. Vielleicht machen sie Ihnen ja Lust, selbst zum neuen Heft zu greifen? Dann wünschen wir Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Edgar Hellfritsch
CEO
BFSG-Check: was zählt, was hilft
Tobias Roppelt, technische kommunikation 06/2025, S. 9-11
Im Artikel „BFSG-Check: was zählt, was hilft“ gibt der Autor Tipps zum Umgang mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, das seit Juni 2025 in Kraft ist. Relevant ist dieses Gesetz v. a. für Unternehmen, die ihre Produkte direkt an Endabnehmer (B2C) vermarkten. Ausgenommen sind neben B2B-Anbietern auch kleine Unternehmen. Der Autor warnt vor Abmahnungen, schätzt aber das aktuelle Gefährdungspotenzial nicht sehr hoch ein.
Leider kommt der im tekom-Umfeld interessanteste Part im Artikel kaum zur Sprache: die Barrierefreiheit von PDF-Dateien. Zwar gibt es mit PDF/UA eine barrierefreie Variante von PDF, doch leider ist es gerade im durchgetakteten redaktionellen Umfeld mit CCMS-generierten Dokumenten nicht unbedingt selbstverständlich, dass sich eine diesbezügliche Konformität einfach herstellen lässt. Hier lohnt sich auf jeden Fall eine Rückfrage beim Hersteller des Redaktionssystems oder beim zuständigen Dienstleister.
Auch ein Versuch, sich die eigenen Dokumente einmal von einem Screenreader vorlesen zu lassen, kann hier interessante Ergebnisse bringen. Unter Umständen ist es eine gute Idee, die Anforderungen des BFSG als Motivation herzunehmen, über eine Online-Bereitstellung in HTML-Form nachzudenken.

Michael Mann
Technical Writer
Videoanleitungen, die man gerne nutzt
Florian Kadelbach, technische kommunikation 06/2025, S. 12-16
Ich war ja lange Zeit überhaupt kein Freund von Videoanleitungen und hätte einer vernünftigen Textbeschreibung jederzeit den Vorzug gegeben – bis ich mal ein Pop-Up-Zelt wieder zusammenfalten wollte. Kennen Sie die? In einer Millisekunde aufgepoppt, und dann stehen 3 erwachsene Menschen zehn Minuten lang davor und versuchen anhand der Papieranleitung, das Ding wieder zurück in die Tüte zu bekommen. Bis wir online gesucht und eine nur wenige Sekunden lange Videoanleitung gefunden haben, die das Vorgehen einfach ohne Worte gezeigt hat, und mit der es dann tatsächlich richtig fix ging. Diese Anleitung (für den privaten Bereich) hat alles richtig gemacht, was mir bei anderen Videos häufig fehlt: genau auf den Zweck zugeschnitten, sofort zur Sache gekommen, anschauliches Vorgehen, keine ausschweifenden Einleitungen, die man bei Videos im Gegensatz zu Textabsätzen oft nur recht schwer „querlesen“ oder überspringen kann.
Was bei Videos im Privaten schon stört, ist im professionellen Einsatz ein No-Go. Insofern ist die Synthese von Prinzipien und Anforderungen aus verschiedenen relevanten Normen, die Florian Kadelbach in seinem Beitrag präsentiert, eine richtig gute Übersicht und ein sehr guter Startpunkt für alle, die Videos in ihr Dokumentationsrepertoire aufnehmen wollen. Der Beitrag zeigt auch, wie sinnvoll ein methodisches Vorgehen bei der Entwicklung des Videomaterials ist. Besonders interessant für mich auch die Herangehensweise an Warnhinweise, die ja in statischer Dokumentation typisch für unser Metier sind, im Video aber noch ihre endgültige Form suchen. Wobei ich da noch eine Anmerkung hätte: Das Bild im Warnhinweis („Abb. 02“) scheint mir doch eher zu den „Maßnahmen“ zu gehören und nicht zur Art der Gefahr. Es sollte daher auch bei den Maßnahmen platziert werden und nicht ganz oben im Warnhinweis.
Der Beitrag zeigt, dass schon (und nicht nur) Hirnschmalz investiert werden muss, um konsequent gute Videoanleitungen zu erstellen. Aber wenn man entsprechend vorgeht, sehe ich durchaus die Chance, dass sogar ich noch zum Video-Fan werde. Übrigens haben wir für Kunden bereits einen Rahmen geschaffen, um Video-Anleitungen aus ST4 zu generieren.

Johannes Dreikorn
Senior Consultant / COO
Startklar für den Digitalen Produktpass
Martin Schlicksupp, technische kommunikation 06/2025, S. 24-29
„Im Moment lässt sich dieser Weg noch ohne Zeitdruck gehen.“ Ein volles Ja zu diesem Satz aus Martin Schlicksupps Fazit. Wir sehen viele unserer Kunden bereits relativ gut aufgestellt für die Herausforderung „Digitaler Produktpass“. Vor allem die Kunden, die mit einem Redaktionssystem arbeiten. Ihren Technischen Redaktionen steht ein zentraler Baustein zur Verfügung, um die neuen konzeptionellen, logistischen und technischen Anforderungen umzusetzen. Und so wundert es auch nicht, dass mittlerweile Unternehmen von sich aus auf uns zukommen mit dem Wunsch, die Weichen für den Digitalen Produktpass zu stellen.
In dem Thema Digitaler Produktpass schlummert übrigens noch ein Potenzial. An dem Digitalen Produktpass kommt kein Unternehmen vorbei. Wenn Technische Redaktionen es schaffen, sich als Vorreiter und pragmatische Problemlöser zu etablieren, gehen bei den Stakeholdern im Unternehmen automatisch auch die Türen auf für das eigentliche Zukunftsthema, das hinter dem Digitalen Produktpass steht: Die konsequente Digitalisierung der Technischen Dokumentation.
Artikel aus dem Hause doctima
Ist das schon ein Text?
Markus Nickl, technische kommunikation 06/2025, S. 18-19
Der Artikel von Markus Nickl befasst sich mit der Frage, was einen Text eigentlich ausmacht und warum es nicht ausreicht, Topics einfach aneinanderzureihen.
Während eine simple Definition einen Text als längeres Stück geschriebener Sprache zu einem Thema beschreibt, zeigen nähere Betrachtungen, dass dies nicht ausreicht. Zentrale Textkriterien sind: ein gemeinsamer inhaltlicher Kern, textgrammatische Beziehungen zwischen den Teilen und eine aufeinander aufbauende Handlungsstruktur. Ein Beispiel mit dem fiktiven “Drillmeister 3000XL” verdeutlicht: Sätze zum gleichen Thema ergeben keinen sinnvollen Text, wenn sie unterschiedliche Sprechhandlungen (Anpreisen, Warnen, Informieren) ohne Zusammenhang kombinieren.
Für die Technische Redaktion bedeutet dies: Topics brauchen Metadaten zu ihrer Sprechhandlung, damit sie automatisiert sinnvoll kombiniert werden können. Nur mit solidem Verständnis von Textkriterien entstehen qualitativ hochwertige, topicorientierte Dokumentationen.
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Daniel Baldassare, technische kommunikation 06/2025, S. 30-35
Der Artikel von Daniel Baldassare analysiert, warum KI-Chatbots in der Technischen Redaktion bisher hinter den Erwartungen zurückbleiben. Drei Jahre nach ChatGPT-Start sind viele Anwendungen im Prototyp-Stadium steckengeblieben.
Das Hauptproblem: Large Language Models (LLMs) liefern oft plausibel klingende, aber falsche Ergebnisse. Die Ursache liegt in der unterschiedlichen Sprachlogik – Technische Dokumentation erfordert präzise, konsistente und maschinennah formulierte Texte, während LLMs auf menschenähnliche Alltagssprache trainiert sind. Dadurch entstehen Schwächen bei Terminologie, Stil und produktspezifischem Wissen.
Zwei Lösungswege bieten sich an: Fine-Tuning der Sprachmodelle mit fachspezifischen Daten oder die RAG-Methode (Retrieval Augmented Generation), bei der Chatbots auf unternehmenseigene Wissensdatenbanken zugreifen. Besonders Knowledge Graphs erweisen sich als vielversprechend, da sie nicht nur Informationen abrufen, sondern auch Zusammenhänge herstellen können. Damit werden Chatbots zu intelligenten Agenten, die für Technische Redaktionen tatsächlich nutzbar sind.
Haben Sie die neueste Ausgabe der tekom-Zeitschrift schon gelesen? Wir freuen uns auf den Meinungsaustausch mit Ihnen!
Coverfoto Zeitschrift: © tcworld GmbH


